Direkte Demokratie und Institutionenvertrauen: Gastvortrag von Markus Freitag

markus_freitagAm 24.06 war Prof. Dr. Markus Freitag, Professor für Politische Soziologie an der Universität Bern, zu Gast im Forschungskolloquium des Instituts für Politikwissenschaft. In seinem Vortrag „Direct Democracy and Institutional Trust: Relationships and Differences accros Personality Traits“ ging er zwei Fragen nach: Wie wirkt sich die unterschiedliche Praxis der direkten Demokratie in 26 Schweizer Kantonen auf das Institutionenvertrauen dort aus und reagieren Menschen unterschiedlich je nach Persönlichkeit? Er konnte zeigen, dass direktdemokratische Elemente einen Einfluss auf das Vertrauen in staatliche Institutionen haben können. Ob und wie stark jedoch Personen auf die Durchführung direktdemokratischer Verfahren reagieren, hängt auch von ihren Persönlichkeitsmerkmalen ab. Besonders bei „verträglichen“ Personen führt ein häufiger Einsatz zu einem Rückgang an Vertrauen.

Jahrestagung des Arbeitskreises Wahlen und politische Einstellungen

akwahlen1Vom 11. bis zum 12. Juni 2015 war der Bereich Empirische Politikforschung mit zahlreichen Beiträgen auf der diesjährigen Jahrestagung „Nichtwahl und non-elektorale Formen politischer Partizipation im Spiegel der Wahl- und Einstellungsforschung“ des Arbeitskreises „Wahlen und politische Einstellungen“ der DVPW vertreten.

Am Donnerstag präsentierten Daniela Hohmann und Thorsten Faas ihren Beitrag „Ein altes Wahlkampfinstrument im neuen Glanz: Welchen Beitrag können Haustürbesuche zur Mobilisierung von Wählern leisten? Analysen aus einem Feldexperiment im Kontext der Mainzer Kommunalwahl 2014“, der sich mit dem Mobilisierungspotenzial von Haustürwahlkämpfen beschäftigte. Haustürwahlkämpfe sind hierzulande als Wahlkampftool spätestens seit der vergangenen Bundestagswahl wieder verstärkt in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt. Durch ihre Analysen finden sie heraus, dass sich politische Haustürbesuche für die Wählermobilisierung durchaus lohnen.

Ebenfalls am Donnerstag widmete sich Julia Range in ihrem Beitrag „Krise oder Normalisierung der Demokratie: Wer will direkte Mitsprache?“ der Frage, wer direktdemokratische Mitsprache und Bürgerbeteiligung befürwortet. Grundlage für ihre Analysen stellen die Daten des Forschungsprojekts „Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie in Baden-Württemberg“ dar. Während es eher die politisch unzufriedenen und weniger gebildeten Teile der Bevölkerung sind, die mehr Beteiligung fordern, warnt sie vor dem Schluss, dass diese Personen ein breiteres Angebot politischer Partizipation auch tatsächlich nutzen würden.

akwahlen2Am Freitag folgte der Vortrag „Gegen den Bahnhof = für grün-rot? Eine Analyse des Wahl- und Abstimmungsverhaltens in Baden-Württemberg 2011“, welcher gemeinsam von Christina Eder (GESIS) und Thorsten Faas vorgetragen wurde. Eder und Faas zeichnen die Konfliktlinien um das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 nach und erörtern, welchen Einfluss dieses auf das Wahl- und Abstimmungsverhalten in Baden-Württemberg 2011 hatte.

Ebenfalls das Thema Stuttgart 21 behandelte schließlich Benjamin Sacks Beitrag „Der Effekt direkt-demokratischer Beteiligung auf Demokratiezufriedenheit und politisches Vertrauen“. In diesem untersucht er den oft unterstellten Einfluss der Teilnahme an direkt-demokratischen Entscheidungsverfahren auf die Demokratiezufriedenheit und das politische Vertrauen. Die erste Auswertung der Daten aus dem Projekt zu Stuttgart 21 zeigt, dass tatsächlich kurzfristige Effekte auf die Demokratiezufriedenheit zu finden sind, diese Effekte sich jedoch mit der Zeit abschwächen. Auf das politische Vertrauen kann kein Einfluss direkt-demokratischer Beteiligung festgestellt werden.

Zwischenworkshop zum Forschungsprojekt „Politische Kommunikation in Zeiten neuer Informations- und Kommunikationstechnologie“

Am kommenden Montag, den 29. Juni 2015, findet bei YouGov, Gustav-Heinemann-Ufer 72, 50968 Köln von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr ein Zwischenworkshop zum gemeinsam mit der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP) GmbH durchgeführten Forschungsprojekt „Politische Kommunikation in Zeiten neuer Informations- und Kommunikationstechnologie“ statt. Im Rahmen des Workshops werden erste Ergebnisse auf Basis der anlässlich der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft 2015 gewonnenen Daten präsentiert.

Nähere Informationen sowie das Programm können dem Workshopprogramm entnommen werden.

Rückblick auf den Gastvortrag von Eckart Hohmann

Eckart HohmannAm Dienstag dieser Woche war Eckart Hohmann, ehemaliger Präsident des Hessischen Statistischen Landesamtes, zu Gast in der Vorlesung Statistik I und sprach zum Thema „Die politische Funktion der amtlichen Statistik im Wandel – von der retrospektiven Dokumentation zur Steuerung politischer Interventionen“.

Die gestiegene Bedeutung der amtlichen Statistik, gerade im Bereich internationaler und supranationaler Institutionen, stellt für die Prozesse und Produkte der amtlichen Statistik, so Hohmann, eine neue Herausforderung dar. Gleichzeitig wurde aber auch das Spannungsverhältnis zwischen der politischen Bedeutung der produzierten Zahlen und der Notwendigkeit der Unabhängigkeit der amtlichen Statistik deutlich.

Publiziert am: 10. Juni 2015. Abgelegt unter Lehre

Gastvortrag: Direct Democracy and Institutional Trust: Relationships and Differences across Personality Traits

Institutskolloquium FreitagAm 24. Juni wird Markus Freitag von der Universität Bern im Rahmen des Institutskolloquiums um 18:00 Uhr (s.t.) zum Thema

„Direct Democracy and Institutional Trust: Relationships and Differences across Personality Traits”

 
referieren. Der Vortrag wird im Raum GFG 01-611 gehalten. Die Veranstaltung ist öffentlich - alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
 
Abstract
Direct democracy plays a prominent role in the explanation of institutional trust. To date, however, empirical findings on the effects of direct democracy remain inconclusive. In this paper we argue that this inconclusiveness can most likely be partly ascribed to the diverse effects direct democracy has on individuals. In other words, direct democracy influences institutional trust, but how and to what degree depends on individuals personality traits. Running hierarchical analyses of unique survey data from a random sample of eligible Swiss voters, we document three findings: First, we show that the number of ballot measures is not directly associated with institutional trust. Second, we demonstrate that the Big Five personality traits affect the propensity to trust. Third, some of these traits also alter the relationship between direct democracy and institutional trust, suggesting that certain personality types are more likely to be sensitive to popular votes than others, and that not everyone is equally likely to respond to political stimuli, even in democratic environments.