Unser Arbeitsbereich beschäftigt sich mit der Analyse politischen Verhaltens und politischer Einstellungen. In Forschung und Lehre verbinden wir theoretische Perspektiven aus der Politikwissenschaft mit anspruchsvollen empirischen Methoden. Mit unserer Forschung möchten wir zu einem besseren Verständnis von demokratischen Prozessen, der Entstehung und Veränderung politischer Einstellungen und des Wahlverhaltens beitragen. Wir befassen uns sowohl mit den Bürgerinnen und Bürgern als auch mit politischen Akteuren wie Parteien, Koalitionen und Politikern. Dabei nutzen wir vor allem quantitative Methoden wie Umfragedaten, Experimente und Panelanalysen.
Promotionsprojekt: Fabio Best, M.A.
Die vergangenen beiden Jahrzehnte zeugen von einer zunehmenden Krisenanfälligkeit der westlichen Demokratien einerseits und andererseits von einer zunehmenden Prävalenz gesellschaftlicher Krisen. Fabio Best untersucht im Rahmen seiner Dissertation die politischen Konsequenzen solcher Krisen, wobei insbesondere die Auswirkungen von politischen Krisen auf die Wahlentscheidungen der Menschen in Deutschland in den Fokus rücken. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Stabilität der Bindungen zwischen Parteien und Wählern und wie sich die traditionelle Lenkungswirkung der Parteiidentifikation auf nachgelagerte Einstellungen und Verhalten in Zeiten politischer Krisen verändert.
Promotionsprojekt: Lion Merten, M.A.
Lange Zeit dominierten in theoretischen Argumentationen und empirischen Analysen zu den Folgen wirtschaftlicher Ungleichheit vor allem objektive Kennzahlen wie der GINI-Koeffizient. Neuere Forschung zeigt jedoch, dass weniger die objektive Realität als vielmehr deren Wahrnehmung entscheidend für politische Einstellungen und Verhaltensweisen ist. In seiner Dissertation untersucht Lion Merten, wie Menschen ökonomische Ungleichheit wahrnehmen, welche Faktoren diese Wahrnehmungen beeinflussen und welche Konsequenzen sich daraus für Einstellungen und Verhaltensweisen ergeben, die als demokratieunterstützend gelten. Zum Einsatz kommen dabei neben Querschnittsdaten auch experimentelle Designs, in denen gezielt die Wahrnehmung der Befragten beeinflusst wird.
Promotionsprojekt: Robert Welz, M.A.
Während Koalitionsregierungen in vielen Demokratien die zentrale Instanz politischer Entscheidungsfindung darstellen, ist bislang wenig darüber bekannt, wie Bürger*innen Koalitionen bewerten und welche Faktoren diese Koalitionspräferenzen bestimmen. Frühere Studien zeigen, dass sowohl politische Inhalte als auch nicht-inhaltliche Faktoren, wie etwa die erwartete Handlungsfähigkeit einer Regierung eine Rolle spielen. Allerdings bleibt die theoretische Fundierung in der bisherigen Literatur oft fragmentiert, empirische Befunde beruhen häufig auf Einzelfallstudien, und experimentelle Designs zur Prüfung kausaler Zusammenhänge fehlen.
Das Dissertationsprojekt adressiert diese Forschungslücken durch die Entwicklung und Anwendung eines umfassenden theoretischen Modells zu den Determinanten von Koalitionspräferenzen. Im Zentrum steht die Fragen, ob und wie Bürger*innen in Mehrparteiensystemen insbesondere unter Bedingungen begrenzter Information zu stabilen und begründeten Bewertungen möglicher Koalitionen gelangen. Die theoretische Grundlage dieser Arbeit bildet ein kombinierter Ansatz aus der räumlichen und der Valenztheorie der Wahl- und Einstellungsforschung. Ergänzend wird das Konzept der Heuristiken herangezogen, welches beschreibt, wie Bürger*innen auch in komplexen Informationsumgebungen durch Vereinfachungen zu begründeten Urteilen gelangen. Neben der ideologischen Nähe spielen dabei insbesondere Eigenschaften von Koalitionen eine Rolle, die Rückschlüsse auf ihre erwartbare Regierungskompetenz zulassen. Dazu zählen beispielsweise die Anzahl der Parteien, die an einer Koalition beteiligt sind, frühere Zusammenarbeit der Koalitionspartner und der Mehrheitsstatus der Koalition.
Zur empirischen Überprüfung der theoretischen Annahmen werden sowohl Experimental- als auch Umfragedaten analysiert. Die Umfragedaten decken alle Landtagswahlen in Deutschland seit 1990 ab und ermöglichen so eine systematische Analyse über zahlreiche Wahlen und Zeitpunkte hinweg. Ergänzend werden aktuelle Umfragedaten zu Bundestagswahlen analysiert. Außerdem kommen Umfrageexperimente zum Einsatz, um kausale Effekte einzelner Koalitionsmerkmale auf die Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger gezielt zu identifizieren.
Im aktuellen Semester werden folgende Lehrveranstaltungen vom Bereich angeboten:
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Koll Examenskolloquium Bereich Methoden
Dozent:in: Univ. Prof. Dr. Sascha Huber -
Sem (MA) "Alles wird schlimmer“: Wahrnehmungen und Einstellungswandel im vergangenen Jahrzehnt
Dozent:in: Univ. Prof. Dr. Sascha Huber -
Sem (MA) Comparative political economy of advanced capitalism: Theories and current research
Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Helen Callaghan; Robert Hancké -
Sem (MA) Kausale Identifikation
Dozent:in: Dr. Holger Reinermann -
Sem (MA) Wahlsystem und Wahlverhalten
Dozent:in: Univ. Prof. Dr. Sascha Huber -
Sem Fachspez. Anw. (auch MA-EU): International vergleichende Umfragedatenanalyse mit R
Dozent:in: Dr. Holger Reinermann -
Sem Statistik I
Dozent:in: Fabio Best; Dr. Alexandru Filip; Lion Robin Merten; Dr. Holger Reinermann -
V Methoden der emp.Politikforschung II
Dozent:in: Dr. Holger Reinermann -
V Statistik I
Dozent:in: Univ. Prof. Dr. Sascha Huber
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